Jahresbericht

Vorwort aus dem Jahresbericht

Gemeinwohl als Orientierung für Wohnungsgesellschaften

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Grundbedürfnis Wohnen ist in den Fokus unserer Gesellschaft gerückt. Wohnen politisiert und wird politisiert. Sichtbarster Ausdruck dafür waren in 2018 Bürgerbegehren, deren Ansatzpunkte oftmals leider nicht etwa gemeinsame Anstrengungen von Bürgern, Kommunen und Akteuren des Wohnungsmarktes für mehr neuen Wohnraum sind, sondern sie richten sich meist gegen Baugebiete und Bauvorhaben der Innenentwicklung. Teils werden auch berechtigte Forderungen nach besserem Zugang zu bezahlbarem Wohnen artikuliert. Die Wohnungsmärkte sind in den Brennpunkten der Wohnungsnachfrage extrem angespannt. Das hat viele Ursachen: Explodierende Boden- und Baupreise aus Mangel an verfügbaren Flächen und ausgereizte Baukapazitäten, schleppende Genehmigungsverfahren usw. Aber die Ursachen gründen tiefer bis in die Zeit vor der Finanzkrise.

Im Blick nach außen wurden deutsche Wohnungen als unterbewertete Investment-Klasse von internationalen Kapitalanlagegesellschaften entdeckt und finden sich jetzt in einschlägigen Indizes wieder. Im Inland galt Wohnungsneubau als überholt und überflüssig. Im Blick nach Innen zeigt diese Fehleinschätzung im Wohnraumbedarf mittlerweile Risse in den Gemeinwesen auf. Dies zwischen den Menschen, die gut und sicher im Eigentum oder zur Miete bei »gemeinwohlorientierten« Wohnungs-gesellschaften, den ehemals gemeinnützigen, wohnen und denen, die eine neue Wohnung suchen müssen, weil sich Lebensumstände ändern, sich Nachwuchs einstellt, ein beruflicher Wechsel oder der Übergang von Ausbildung zum Berufseinstieg ansteht.

Das Siedlungswerk ist schon vor über 15 Jahren mit dem Konzept »sozial gemischte Quartiere« angetreten. Wir sind vielerorts Bündnispartner für Wohnen – wir handeln, wir bauen. Im Moment haben wir über 1.000 Wohnungen im Bau, abgeschichtet etwa zur Hälfte in Miete, der größte Teil mit Wohnraumförderung, und die andere Hälfte in Eigentum. Auch letzteres sollte bei erhitzten Diskussionen im Sinne sozialer Nachhaltigkeit und langfristig mit Blick auf die Altersvorsorge nicht übergangen werden. Das »Häusle« ist in Baden-Württemberg für die Zielgruppe »mittlere Einkommen« fast nur noch in strukturschwachen Gebieten finanzierbar, mit allen ökologischen und persönlichen Nachteilen für Pendler. Jobs, Kitas und mithin Nachfrage nach familienfreundlichen Wohnungen finden sich vor allem in den Städten, und die junge Generation ist bereits vor Ort – möchte nicht ins Umland verdrängt werden. Diese Facette der Gentrifizierung wird (noch) zu wenig beachtet.

Werte Leser, dieser Jahresbericht soll Ihnen einen kleinen Einblick in unser Handeln geben.

Vielen Dank für Ihr Interesse, partnerschaftliches Miteinander und Mitdenken.

Die Geschäftsführer des Siedlungswerks

Siegfried Apfel, Jürgen Schilbach, Norbert Tobisch