Jahresbericht

Jahresbericht 2024 – Editorial

Die Welt im Wandel

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

und nichts ist, so sagt man, beständiger als der Wandel. Doch den Wandel, den wir derzeit durchleben, übersteigt bei weitem das, was wir als »normal« bezeichnen können. Über Jahrzehnte gewachsenes Vertrauen wankt, Werte, die als unumstößlich galten, sind in Frage gestellt, demokratische Grundprinzipien scheinen nicht mehr überall und für jeden zu gelten.

Der Wohnungsmarkt kann davon nicht unberührt bleiben. Eine der Konsequenzen: die Zahl der Bauanträge ging weiter zurück. Im Vergleich zum Jahr 2021 um annähernd die Hälfte. Und dies in einem angespannten Wohnungsmarkt. Die Nachfrage steigt, insbesondere in den Metropolregionen, weiter an und ein erneuter Anstieg der Mietpreise ist die Folge. Staatliche Förderprogramme, die den Neubau ankurbeln sollten, zeigten nur begrenzte Wirkung, da sie oft nicht ausreichen und der Zeitpunkt der Bereitstellung nicht planbar war. Ein weiterer wesentlicher Faktor für den Rückgang der Bautätigkeit waren die hohen Baukosten. Im vierten Quartal 2024 lagen die Baupreise um 3,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig machten hohe Grundstückskosten und die gestiegenen Zinsen die Finanzierung von Neubauprojekten für viele Investoren unattraktiv, was die Nachfrage weiter dämpfte.

Viel diskutiert wurde der sogenannte »Gebäudetyp E«, durch den das Planen und Bauen einfacher, günstiger und schneller werden soll. Unabhängig davon, ist eine Abkehr von überzogenen Anforderungen und auch Ansprüchen unabdingbar. Die Novellierung der Landesbauordnung Baden-Württemberg ist ein Schritt hierzu. Notwendig sind aber noch viele weitere Schritte, die alle am Bauprozess Beteiligten bis hin zu Erwerbern und Mietern betrifft.

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen ist es dem Siedlungswerk gelungen, im Jahr 2024 über 500 Wohnungen fertigzustellen. Davon über 300 Wohnungen für den eigenen Bestand. Unsere Bestände werden damit durch neue, energieeffiziente Mietwohnungen nachhaltig gestärkt und verjüngt. Überhaupt war die energetische Ertüchtigung, auf dem Weg hin zu einem klimaneutralen Gebäudebestand, ein großes Thema. Durch kontinuierliche Sanierungsmaßnahmen sehen wir uns auf gutem Weg, dieses Ziel planmäßig zu erreichen.

2024 war auch das Jahr, in dem wir gemeinsam mit den Bewohnern Quartiersfeste feiern konnten, wie in Fellbach oder Schliengen. Ein ganz besonderes Highlight war unsere Teilnahme an der Landesgartenschau in Wangen im Allgäu, wo unser Projekt direkt in das Festgelände integriert war.

Besonders wichtig war uns, mit dem Beginn neuer Projekte Zeichen zu setzen. Zeichen dafür, dass gebaut werden muss, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Hervorzuheben ist hier unser Baustart im Wohnquartier Rosenstein in Stuttgart mit fast 100 Wohneinheiten.

Doch wie geht es weiter?

In einer Zeit, in der der Wohnraummangel immer offensichtlicher wird, stellen wir uns der Herausforderung, trotz schwieriger Rahmenbedingungen unseren Beitrag zu leisten, vielen Menschen ein lebenswertes Zuhause anbieten zu können. Dazu sind Lösungen sowohl in der Bestandsertüchtigung wie auch im Neubau gefragt, die soziale, ökologische und ökonomische Belange in Einklang bringen und dies in einem sich rasch wandelnden Umfeld.

Wir als Siedlungswerker sind bereit, uns dem Wandel zu stellen und diesen, wo immer möglich, im positiven Sinne mitzugestalten.

Die Geschäftsführung des Siedlungswerks
Ina Ramsauer, Jürgen Schilbach, Norbert Tobisch und Christoph Welz